
Im Datenblatt einer Reinigungsanlage steht bei den Wasserwerten fast immer eine Zeile wie „DI Water Resistivity: mehr als 15 MΩ”. Wem die Einordnung fehlt, übernimmt die Zeile wörtlich ins Lastenheft – oder lässt sie weg. Beides geht schief: Fehlt der Wert, kennt der Lieferant die Anschlussbedingung der Spülstufe nicht; wird er falsch gedeutet, wird später an der falschen Stelle gemessen. Die Lösung ist, den Wert als das zu lesen, was er ist: eine Angabe zur Wasserqualität am Zulauf, gemessen in einer von zwei Einheiten, abhängig von Temperatur, Messstelle und Tankführung.
Dass die Einordnung fehlt, zeigt ein Blick in unsere Produktdatenblätter: Von 22 Blättern weisen nur 3 einen Widerstands- oder Leitfähigkeitswert aus, weitere 3 nennen Spülzyklus oder Spültankvolumen. Wer den Anschlusswert für die Spülstufe festlegen will, findet ihn in den Unterlagen kaum – er muss den Wert einordnen können und gezielt abfragen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- 15 MΩ·cm entsprechen rund 0,067 µS/cm – dieselbe Messgröße, zwei Einheiten.
- Nur 3 von 22 Datenblättern weisen den Wert aus – er gehört ins Lastenheft.
- Der Sensor am Zulauf bewertet das VE-Wasser, nicht die Baugruppe.
- Offene Tanks driften durch CO₂ aus der Luft; die Messung braucht Temperaturkompensation auf 25 °C.
- Leitfähigkeit sieht keine nichtionischen Rückstände wie Harz oder Öl.
MΩ·cm und µS/cm: zwei Einheiten, ein Zusammenhang
Reinstwasser leitet Strom kaum; je mehr geladene Teilchen im Wasser schwimmen, desto besser leitet es. Deshalb gibt es zwei Schreibweisen für dieselbe Größe: den elektrischen Widerstand in Megaohm-Zentimeter (MΩ·cm) und die Leitfähigkeit in Mikrosiemens pro Zentimeter (µS/cm). Beide hängen über den Kehrwert zusammen. Die Umrechnung: Der Zahlenwert in MΩ·cm ist der Kehrwert des Werts in µS/cm – 1 MΩ·cm entspricht 1 µS/cm (bei 25 °C). Aus mehr als 15 MΩ folgen also rund 0,067 µS/cm (bezogen auf 25 °C).
Zur Einordnung: Theoretisch reines Wasser bei 25 °C liegt bei 18,2 MΩ·cm. Der Anschlusswert von 15 MΩ aus den Datenblättern der Inline-Anlage CQ-C9610 und der Kammeranlage CQ-C743 liegt also nahe am physikalischen Maximum und beschreibt Speisewasser aus einem Ionenaustauscher oder VE-Wasser-Kreislauf. Anders gesagt: Der Wert sagt aus, wie sauber das Wasser ist, das in die Spülstufe hineingeht – nicht, wie es wieder herauskommt.
Die Einheit allein sagt noch nichts über die Messstelle aus. Auf dem Datenblatt stehen dazu drei Angaben getrennt:
Zulaufwert: Der Widerstandswert am Eingang der Spülstufe (bei CQ-C9610 mit einem Zufluss von 1,0 m³/h, bei CQ-C743 mit 0,5 m³/h) bewertet das VE-Wasser oder den Ionenaustauscher. Er sinkt, wenn das Austauscherharz erschöpft ist.
Verbrauchswert: DI Water Consumption 10–16 L/min bei der CQ-C9610 gibt den Spülwasserstrom an. Zusammen mit dem Zufluss lässt sich daraus die Wasserbilanz der Anlage aufstellen – ein Wert, der auch in die Abwasserplanung eingeht.
Überwachungsbereich: Die Schablonenreinigungsanlage CQ-C740 weist eine Resistivity Monitor Range von 0–18 MΩ aus. Der Anzeigeumfang deckt den Bereich vom Niveau üblichen Leitungswassers bis nahezu reinem Wasser ab; der Grenzwert, bei dem die Anlage alarmiert, wird prozessseitig festgelegt.
Vier Größen verschieben den Messwert
Ein Leitfähigkeitswert ist nur so belastbar wie seine Messbedingungen. Vier Faktoren bestimmen, ob die angezeigte Zahl die Wasserqualität überhaupt abbildet:
Temperatur: Die Leitfähigkeit von Wasser steigt mit der Temperatur; die Referenz liegt bei 25 °C. Ein Gerät ohne Temperaturkompensation zeigt im warmen Bad einen schlechteren Wert an, als die Wasserqualität hergibt. Vor dem Vergleich zweier Messwerte lohnt deshalb die Frage, ob beide auf 25 °C bezogen sind.
CO₂-Aufnahme: Offene Tanks nehmen Kohlendioxid aus der Luft auf, das zu Carbonat-Ionen reagiert. Der Widerstand eines offenen Spülwassers driftet dadurch mit der Zeit nach unten – auch ohne einen einzigen verschmutzten Auftrag. Ein fallender Wert im offenen Kreislauf ist also kein automatischer Beleg für Badverschleiß; die Drift muss gegen die Badwechsel- und Harztfilter-Strategie gerechnet werden.
Messstelle: Eine Messzelle am Zulauf bewertet das Speisewasser, eine Zelle im Spülbad bewertet die angereicherte Spülflüssigkeit, eine Zelle am Ablauf bewertet das Ergebnis der ganzen Kette. Diese drei Werte dürfen nicht gegeneinander getauscht werden. Für das Lastenheft zählt der Zulaufwert, für die Prozessüberwachung der Bad- oder Ablaufwert.
Filtration: Die Kammeranlage CQ-C743 filtert Wasch- und Ablaufseite mit 0,45 µm. Das hält Partikel wie Lotperlen, Harzanteile und feine Verunreinigungen zurück – nicht aber gelöste Ionen. Filter und Leitfähigkeitsmessung erfassen daher zwei verschiedene Frachtarten: Ein sauberer Filter sagt nichts über den Leitfähigkeitswert aus – und umgekehrt.
Was die Datenblätter konkret ausweisen
Die folgende Tabelle bündelt die Wasser- und Spülangaben aus den CHUANGQI-Datenblättern, die einen solchen Wert überhaupt ausweisen (Feldnamen wie DI Water Resistivity stehen im Original auf Englisch):
| Datenblattangabe | Wert | Modell | Was die Angabe begrenzt |
|---|---|---|---|
| DI Water Resistivity | mehr als 15 MΩ | CQ-C9610 (Inline), CQ-C743 (Kammer) | Wasserqualität am Spülwasser-Zulauf |
| Resistivity Monitor Range | 0–18 MΩ | CQ-C740 (Schablone) | Anzeigeumfang der Überwachung |
| DI Water Consumption | 10–16 L/min | CQ-C9610 | Spülwasserstrom im Durchlauf |
| DI Water Inflow | 1,0 (Inline) und 0,5 m³/h (Kammer) | CQ-C9610 / CQ-C743 | Speisewasseranbindung am Standort |
| Rinse Cycle | 2–8 min | CQ-C740 | Spüldauer je Programmabschnitt |
| Rinse Tank Capacity | 2 × 42 L (max) | CQ-C750 | Spültankvolumen je Kammer |
| DI Drain Filtration | 0,45 µm | CQ-C743 | Partikelfracht im Ablauf |
Quelle: CHUANGQI Produktdatenblätter auf chuangqitech.com, Stand 26. Oktober 2026.
Auffällig ist die Lücke: 19 der 22 Datenblätter nennen keinen Wasserwert. Der Spülwasser-Anschlusswert ist damit ein Parameter, den Einkäufer aktiv abfragen müssen, statt ihn aus Unterlagen zu übernehmen. Der Wert richtet sich nach der Flussmittelart im Prozess, der geforderten Restionigkeit auf der Baugruppe, der Spülstufenzahl der Anlage und der VE-Wasser-Verfügbarkeit am Standort; vier Größen, die im Datenblatt nicht stehen.

Vorteile einer Leitfähigkeitsüberwachung – und ihre Grenzen
Ein Sensor am Zulauf liefert pro Charge einen protokollierbaren Wert, ohne dass jemand eine Probe zieht. Der ehrliche Vergleich sieht so aus:
| Vorteile | Grenzen |
|---|---|
| Abweichungen am Zulauf fallen sofort auf, nicht erst beim nächsten Restschmutz-Check. | Der Wert bewertet das Wasser, nicht die Baugruppe – eine Sauberkeitsaussage über das Werkstück trägt er nicht. |
| Messwerte lassen sich pro Charge protokollieren und in Auditgesprächen vorlegen. | Nichtionische Rückstände (Harz, Öl, Fett, Wachs, Silikon, Kleber, Tensidreste, Korrosionsschutzfilme) bleiben unsichtbar. |
| Der Verlauf zeigt den Erschöpfungszustand des Ionenaustauschers, bevor das Spülergebnis kippt. | Sensoren brauchen Kalibrierung und eine definierte Messstelle; ein weichender Wert ist erst nach Prüfung der Messbedingung ein Befund. |
Quelle: CHUANGQI Anwendungstechnik, 2026-10.
Nicht geeignet für: Die Leitfähigkeitsmessung im Spülwasser ist kein Reinheitsnachweis auf der Baugruppe und ersetzt weder eine Restschmutzprüfung noch eine Ionenrückstands-Messung am Werkstück. Für nichtionische Rückstände bleibt sie blind, und für ionische Rückstände auf dem Board misst sie nur indirekt über das Bad. Wer belegen muss, dass eine Baugruppe sauber ist, braucht eine Prüfung am Werkstück – die Badüberwachung ist deren Begleitinstrument, nicht ihr Ersatz.
Für das Gespräch mit dem Anlagenlieferanten lassen sich die Prüfungen zu fünf Fragen zusammenfassen:
- Wo sitzt die Messzelle – am Zulauf, im Bad oder am Ablauf?
- Ist die Messung auf 25 °C kompensiert, und wird die Referenz dokumentiert?
- Welcher Grenzwert löst welche Reaktion aus – Alarm, Spülverlängerung oder Harzwechsel?
- Wird der Wert pro Charge protokolliert und exportiert?
- Welchen Anschlusswert setzt die Spülstufe voraus, und wie wird er am Standort sichergestellt?
Wer diese fünf Antworten in der Anfrage unterbringt, bekommt ein Angebot, dessen Spülstufe am eigenen Standort prüfbar ist. Für die Spülstufe selbst liefert CHUANGQI wasserbasierte Reinigungsmittel; die Auslegung des Anschlusswerts klärt das Anwendungsteam über das Kontaktformular – auf Anfragen antwortet CHUANGQI innerhalb von 24 Stunden.
Zum Weiterlesen: Wie sich der Reinheitsbedarf des Wassers überhaupt ableitet, steht im Beitrag VE-Wasser in der Leiterplattenreinigung. Was mit dem verbrauchten Spülwasser am Ablauf geschieht, behandelt der Beitrag Abwasserbehandlung planen.
Häufige Fragen
Wie viel Leitfähigkeit braucht das Spülwasser für Baugruppen?
Ein allgemeingültiger Schwellenwert lässt sich nicht aus einer Tabelle übernehmen; er folgt aus Flussmittelart, Baugruppentyp und der geforderten Restionigkeit im eigenen Prozess. Üblich als Anschlussbedingung ist die Datenblattangabe von mehr als 15 MΩ am Zulauf, ergänzt um eine definierte Badüberwachung. Entscheidend ist, dass Anlagenlieferant und Fertigung denselben Wert an derselben Messstelle prüfen.
Was ist der Unterschied zwischen MΩ·cm und µS/cm?
Beide Einheiten beschreiben dieselbe Messgröße, einmal als Widerstand, einmal als Leitfähigkeit. Sie sind Kehrwerte voneinander: 1 MΩ·cm entspricht 1 µS/cm. Ein Wert von mehr als 15 MΩ entspricht demnach rund 0,067 µS/cm. In Datenblättern von Reinigungsanlagen ist die Widerstandsschreibweise verbreitet, in der Wassertechnik oft die Leitfähigkeitsschreibweise – beim Vergleich von Angeboten lohnt der Blick auf die Einheit, bevor Zahlen gegeneinander gestellt werden.
Warum fällt der MΩ-Wert im offenen Tank, obwohl das Wasser sauber ist?
Offenes Wasser nimmt Kohlendioxid aus der Luft auf, das sich zu Carbonat-Ionen umwandelt und die Leitfähigkeit erhöht. Die Drift ist ein physikalisches Standardverhalten und kein Beleg für Badverschleiß. Bewertet wird der Verlauf deshalb erst im Zusammenhang mit Badwechselintervall, Ionenaustauscher-Zustand und Messbedingungen; ein einziges Absinken ohne Kontext ist kein Befund.
Kann die Leitfähigkeit belegen, dass die Baugruppe sauber ist?
Nein. Der Wert bewertet das Wasser in der Anlage, nicht das Werkstück. Nichtionische Rückstände wie Harz, Öl oder Silikon erscheinen in der Messung nicht, und auch ionische Rückstände auf der Baugruppe werden nur über das Spülbad indirekt sichtbar. Für eine Sauberkeitsaussage zum Werkstück braucht es eine Prüfung an der Baugruppe selbst; die Leitfähigkeitsüberwachung liefert dazu die Prozessbegleitung und die Dokumentation.
Welcher Wert gehört ins Lastenheft?
Drei Angaben machen das Lastenheft prüfbar: der Widerstandswert des Spülwassers am Zulauf mit Referenztemperatur, die Messstelle inklusive Kompensation und die Reaktion auf einen Grenzwertverstoß. Wer zusätzlich den Spülwasserstrom und den Zufluss am Standort benennt, bekommt eine Auslegung, deren Wasserbilanz von Anfang an stimmt.