Wer nach dem Löten mit wässrigen Verfahren reinigt, leitet am Ende Spülwasser ab – und dieses Wasser unterliegt in Deutschland dem Wasserrecht, sobald die Abwasserverordnung Anforderungen an den Ort des Anfalls stellt. Für die Abwasserbehandlung entscheiden sieben Prüfpunkte vor der Bestellung, ob die Indirekteinleitung genehmigt wird oder nachgebessert werden muss.

Ventile und Rohrleitungen des Spülkreislaufs einer Reinigungsanlage
Der Abwasserstrom entsteht im Kreislauf: Waschstufe, Spülstufe und VE-Wasser-Aufbereitung speisen ihn getrennt.

Grundlage dieses Beitrags sind die Werksdaten der Inline-Anlage CQ-C9610: Sie verbraucht 1,0–2,5 Liter Reinigungsmittel pro Stunde und 10–16 Liter VE-Wasser (vollentsalztes Wasser) pro Minute, der VE-Wasser-Zufluss liegt bei 1,0 m³/h. Aus diesen drei Angaben ergibt sich die Wasser- und Stoffbilanz der Anlage – nicht aber die Schadstofffracht (Schadstoffmasse pro Zeit); die folgt erst aus der Analyse des Teilstroms. Die rechtlichen Angaben stammen aus dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und der Abwasserverordnung (AbwV) in der auf gesetze-im-internet.de veröffentlichten Fassung; Stand der Abfrage ist der 15. Oktober 2026. Wie die Spülstufe aufgebaut wird, steht im Beitrag VE-Wasser in der Leiterplattenreinigung.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Wo in der Baugruppenreinigung Abwasser entsteht

Beschrieben wird eine wässrige Inline-Reinigungslinie mit Wasch-, Spül- und Trocknungsstufe, wie sie in der SMT-Fertigung üblich ist. Kammeranlagen mit Chargenbetrieb und Lösemittelanlagen erzeugen andere Teilstromprofile und bleiben hier außen vor. Die Mengenangaben stammen aus dem Datenblatt der CQ-C9610 und beschreiben die Anlage, nicht Ihre Baugruppe.

Waschstufe: Das Reinigungsmittel löst Flussmittelrückstände; Tenside und Komplexbildner bleiben in der Flotte. Was in Lösung gegangen ist, verlässt die Anlage mit dem Badwechsel oder mit dem Überlauf – nicht mit der Baugruppe.

Spülstufe: Die Spülstufe nimmt Reste des Reinigungsmittels und gelöste Rückstände auf. Läuft sie als Kaskade, wird nur die letzte Stufe mit frischem VE-Wasser gespeist; läuft sie offen, braucht jede Stufe frisches Wasser. Daraus folgt die Abwassermenge, nicht aus der Zahl der Baugruppen.

VE-Wasser-Aufbereitung: Enthärtung und Umkehrosmose erzeugen Regenerat und Konzentrat. Diese Teilmenge fällt auch im Stillstand an, weil die VE-Wasser-Aufbereitung im Bereitschaftsbetrieb weiterspült und die Vorlage auf Druck gehalten wird.

Trocknung und Kondensat: Verdampftes Wasser schlägt sich am Kondensator nieder und wird als Kondensat abgeführt. Es ist meist gering belastet, wird aber häufig mit dem Spülwasser zusammengeführt – das verschiebt die Wasserbilanz, nicht die Schadstofffracht.

ProzessstufeEintragWert aus dem Datenblatt (CQ-C9610)Übliche Behandlung
WaschstufeTenside, Komplexbildner, gelöste Flussmittelrückständekein eigener Wert ausgewiesenBadwechsel: das Konzentrat wird entsorgt, nicht eingeleitet
SpülstufeReste des Reinigungsmittels, gelöste Rückständekein eigener Wert ausgewiesenFührung als Kreislauf mit Filtration oder als offene Kette
VE-Wasser-AufbereitungRegenerat und Konzentrat aus Enthärtung und Umkehrosmosekein eigener Wert ausgewiesengetrennt fassen und vor der Einleitung prüfen
TrocknungKondensat, gering belastetkein eigener Wert ausgewiesengetrennt führen; Wiederverwendung als Spülwasser ist möglich
Anlage insgesamtReinigungsmittel, VE-Wasser, Kondensat1,0–2,5 L/h Reinigungsmittel; 10–16 L/min VE-Wasser; 1,0 m³/h VE-Wasser-ZuflussGrundlage für Wasserbilanz und Bilanzierung der Teilströme

Quelle: CHUANGQI-Datenblatt CQ-C9610, abgerufen am 15. Oktober 2026.

Die 10–16 Liter pro Minute sind eine Bandbreite, kein fester Wert. Wie hoch der Wasserbedarf tatsächlich liegt, hängt von der Zahl der Spülstufen, dem Spaltmaß unter den Bauteilen, dem Flussmitteltyp, der Leitfähigkeit des zugeführten VE-Wassers und der eingestellten Bandgeschwindigkeit ab. Das Datenblatt weist deshalb eine Spanne aus und keinen Einzelwert.

Auch der Reinigungsmittelverbrauch von 1,0–2,5 Litern pro Stunde hängt von mehreren Faktoren ab: vom Verschmutzungsgrad der Baugruppen, von der eingestellten Dosierung, von der Badstandzeit und von der Flottenführung. Der VE-Wasser-Zufluss von 1,0 m³/h richtet sich nach der Entnahmemenge in der Spülstufe, nach dem Zustand der Filterstufen, nach der Kapazität der VE-Wasser-Aufbereitung und nach der Zahl der parallel gespeisten Spülstufen.

Automatisierte Förderstrecke in der Elektronikfertigung
Die Abwassermenge folgt der Wasserführung, nicht der Stückzahl: Bandgeschwindigkeit und Spülstufen bestimmen sie.

Im Abwasser einer PCBA-Linie stehen damit typischerweise: Tenside, Komplexbildner, gelöste Flussmittelrückstände aus Harzen und Aktivatoren, Zinn- und Kupferspuren von den Lötstellen, Partikel aus dem Nutzentrennen, Entfettungsreste, Regenerat aus der VE-Wasser-Aufbereitung und Kondensat aus der Trocknung.

Was die Indirekteinleitung rechtlich verlangt

Von Indirekteinleitung spricht man, wenn Abwasser in die öffentliche Abwasseranlage eingeleitet wird. Nach § 58 Absatz 1 WHG braucht sie eine Genehmigung der zuständigen Behörde, soweit die Abwasserverordnung Anforderungen für den Ort des Anfalls des Abwassers oder vor seiner Vermischung festlegt. Eine bloße Anzeige genügt nur dort, wo eine Rechtsverordnung das ausdrücklich zulässt.

§ 58 Absatz 2 WHG knüpft die Genehmigung an drei Bedingungen: Die maßgebenden Anforderungen der Abwasserverordnung müssen eingehalten werden, die Erfüllung der Anforderungen an die Direkteinleitung darf nicht gefährdet werden, und die dafür erforderlichen Abwasseranlagen müssen errichtet und betrieben werden. Weitergehende Vorschriften der Länder bleiben unberührt; in einigen Ländern ersetzt die Zustimmung des Betreibers der öffentlichen Abwasseranlage die behördliche Genehmigung.

MerkmalIndirekteinleitungDirekteinleitung
Rechtsgrundlage§ 58 WHG§ 57 WHG
RechtsformGenehmigung der zuständigen BehördeErlaubnis
MaßstabAnforderungen der Abwasserverordnung einschließlich der allgemeinen AnforderungenStand der Technik, dazu die Anforderungen an die Gewässereigenschaften
Zusätzlich zu klärenVorgaben des örtlichen AbwasserbetreibersEinleitungsbescheid und Selbstüberwachung

Quelle: Wasserhaushaltsgesetz, §§ 57 und 58, Fassung auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 15. Oktober 2026. Volltext: https://www.gesetze-im-internet.de/whg_2009/__58.html und https://www.gesetze-im-internet.de/whg_2009/__57.html

Welche Anforderungen gelten, hängt vom Anhang der Abwasserverordnung ab. Für die Elektronikfertigung nennt die Verordnung unter anderem Anhang 35 (Chipherstellung) und Anhang 54 (Herstellung von Wafern und Solarzellen), für Metallbearbeitung und Metallverarbeitung den Anhang 40. Passt kein Anhang, greifen die allgemeinen Anforderungen des § 3 AbwV. Zwei Sätze daraus treffen jede Reinigungslinie direkt: Nach § 3 Absatz 1 ist die Schadstofffracht unter anderem durch Wasser sparende Verfahren bei Wasch- und Reinigungsvorgängen und durch die prozessintegrierte Rückführung von Stoffen so gering wie möglich zu halten; nach § 3 Absatz 3 dürfen als Konzentrationswerte festgelegte Anforderungen nicht entgegen dem Stand der Technik durch Verdünnung erreicht werden. § 3 Absatz 2 schließt zusätzlich Verfahren aus, die die Belastung entgegen dem Stand der Technik in Luft oder Boden verlagern. Volltext: https://www.gesetze-im-internet.de/abwv/__3.html und Anhänge unter https://www.gesetze-im-internet.de/abwv/

Sieben Punkte lassen sich vor der Bestellung klären:

  1. Ordnen Sie den Prozess einem Anhang der Abwasserverordnung zu oder begründen Sie, warum § 3 AbwV gilt.
  2. Klären Sie die Rechtsform: Genehmigung nach § 58 WHG oder Erlaubnis nach § 57 WHG.
  3. Legen Sie den Teilstrom fest – Anfallstelle und Probenahmestelle vor der Vermischung.
  4. Stellen Sie die Wasserbilanz für Waschstufe, Spülstufe, VE-Wasser-Aufbereitung und Kondensat auf.
  5. Schließen Sie Verdünnung als Lösungsweg aus; § 3 Absatz 3 AbwV lässt eine Verdünnung entgegen dem Stand der Technik nicht zu.
  6. Prüfen Sie Wasser sparende Verfahren und die prozessintegrierte Rückführung von Stoffen nach § 3 Absatz 1 AbwV.
  7. Setzen Sie die Dokumentation auf: Abwasserkataster, Betriebstagebuch und Jahresbericht.

Welche Unterlagen die Behörde verlangt

Anlage 2 der Abwasserverordnung beschreibt, was die betriebliche Dokumentation enthalten muss. Für die Antragsunterlagen sind drei Teile maßgeblich.

Betriebliches Abwasserkataster: Es beschreibt den Betrieb und die abwasserrelevanten Prozesse mit Übersichtsplan, Entwässerungsplan und Fließschemata, bilanziert die Abwasserteilströme von der Anfallstelle bis zur Übergabestelle mit Volumenströmen sowie Schadstoffkonzentrationen und -frachten und führt Behandlungsanlagen, Messeinrichtungen, Probenahmestellen und die wasserrechtlichen Zulassungen auf.

Betriebstagebuch: Es erfasst den prozessbezogenen Wasserverbrauch, die Produktionsmengen, die tatsächlich angefallenen und eingeleiteten Abwassermengen je Teilstrom und insgesamt, Probenahmeprotokolle mit Messwerten der Selbstüberwachung, den Einsatz abwasserrelevanter Roh- und Hilfsstoffe mit Menge und Dosierung sowie Betriebsvorgänge wie Wartung, Anlagenreinigung und Schlammentsorgung.

Jahresbericht: Er fasst das Betriebstagebuch zusammen und wertet die betrieblichen Abwasseruntersuchungen mit Konzentrationen und Frachten aus. Volltext: https://www.gesetze-im-internet.de/abwv/anlage_2.html

Bedienfeld einer Reinigungsanlage mit Prozessparametern
Was die Anlage als Verbrauchswert führt, lässt sich direkt in das Betriebstagebuch übernehmen.

Drei Werte aus dem Datenblatt fließen unmittelbar in diese Dokumentation ein:

Damit lässt sich das Kataster aufbauen, ohne die Anlage nachträglich zu vermessen. Die Fracht je Parameter kommt aus der Analyse des Teilstroms; aus einem Verbrauchswert lässt sie sich nicht ableiten, weil die Konzentration vom Flussmitteltyp, von der Beladung und von der Badstandzeit abhängt.

Wann dieses Vorgehen nicht geeignet ist

Eine Bilanzierung nach Teilstrom hilft nur dort, wo ein Teilstrom getrennt erfasst wird. Nicht geeignet für: Betriebe, die direkt in ein Gewässer einleiten – dort gilt § 57 WHG mit Erlaubnis und Stand der Technik, und die Nachweise folgen anderen Regeln. Für Lösemittelanlagen gilt das ebenfalls nicht: Dort steht die Lösemittelbilanz mit Rückgewinnung im Vordergrund, nicht das Spülwasser.

Kreislaufführung mit FiltrationOffene Spülkette
Vorteilegeringerer VE-Wasser-Bedarf, solange die Filtration mitläuft; gleichbleibende Spülqualität über die Charge hinweg, solange die Filterstufen nach Plan gewechselt werden; konstante Wasserbilanz über die Schicht, solange der Badwechsel nach Plan erfolgteinfache Wasserbilanz; gelöste Fracht verlässt die Anlage sofort; keine Anreicherung im Kreislauf
Grenzengelöste Fracht reichert sich an, wenn der Badwechsel zu selten erfolgt; die Rückspülung erzeugt ein eigenes Konzentrat, das bilanziert und entsorgt werden muss; ohne Badwechsel steigt die Leitfähigkeit im Spülwasserhöherer Wasserverbrauch und damit größere Abwassermenge; jede Stufe braucht VE-Wasser-Qualität; die Bilanz hängt stärker von der Bandgeschwindigkeit ab
Nicht geeignet fürProzesse, die je Stunde eine definierte Abwassermenge nachweisen müssenBetriebe ohne eigene VE-Wasser-Aufbereitung

Quelle: CHUANGQI-Anlagendatenblätter, 2026-10.

Dieser Beitrag beschreibt das rechtliche Umfeld in Deutschland und die Stoffströme einer wässrigen Reinigungslinie. Er ersetzt keine Rechtsberatung: Welcher Anhang gilt und welche Anforderungen im Einzelfall festgesetzt werden, entscheidet die zuständige Behörde. Klären Sie vor der Bestellung zwei Dinge – die Vorgaben Ihres Abwasserbetreibers und die Zuordnung Ihres Prozesses zu einem Anhang der Abwasserverordnung.

Für die Auslegung einer Linie, die zu diesen Anforderungen passt, brauchen wir vier Werte: maximale Bauteilhöhe, Rückstandsart, Zielmenge pro Stunde und die Prüfvorgabe für die Abnahme. Tragen Sie diese Werte in das Angebotsformular für die PCBA-Reinigung ein; anhand dieser Werte prüfen wir Wasserführung und Filtration und antworten mit einem Angebot innerhalb von 24 Stunden. Wie die Auslegungsgrößen das Reinigungsergebnis steuern, steht im Beitrag Spritzreinigung auslegen; das vollständige Sortiment an Nassreinigungsanlagen für die Baugruppenreinigung finden Sie unter Produkte und Lösungen.

Häufige Fragen

Brauche ich für die Indirekteinleitung eine Genehmigung?

Ja, soweit die Abwasserverordnung Anforderungen für den Ort des Anfalls oder vor der Vermischung festlegt: Nach § 58 Absatz 1 WHG ist dann eine Genehmigung der zuständigen Behörde erforderlich. Eine Anzeige genügt nur, wenn eine Rechtsverordnung das vorsieht; in einigen Ländern ersetzt die Zustimmung des Betreibers der öffentlichen Abwasseranlage die behördliche Genehmigung. Klären Sie den Punkt vor der Bestellung, weil er Aufstellfläche, Probenahmestelle und Dokumentation betrifft.

Welcher Anhang der Abwasserverordnung gilt für die Elektronikfertigung?

Die Verordnung arbeitet mit branchenspezifischen Anhängen. Für Chipfertigung und Waferherstellung stehen Anhang 35 und Anhang 54, für Metallbearbeitung und Metallverarbeitung Anhang 40. Deckt kein Anhang den Prozess ab, gelten die allgemeinen Anforderungen des § 3 AbwV. Die Zuordnung nimmt die Behörde im Einzelfall vor, deshalb gehört die Frage in das Vorgespräch.

Reicht es, das Spülwasser einfach zu verdünnen?

Nein. Nach § 3 Absatz 3 AbwV dürfen als Konzentrationswerte festgelegte Anforderungen nicht entgegen dem Stand der Technik durch Verdünnung erreicht werden. Wer die Fracht senken will, muss sie an der Anfallstelle senken: über Wasser sparende Verfahren, über tatsächliches Abtrennen im Kreislauf oder über eine geänderte Prozessführung.

Welche Mengenangaben brauche ich für das Abwasserkataster?

Das Kataster verlangt Volumenströme sowie Schadstoffkonzentrationen und -frachten je Teilstrom. Die Volumenströme liefert das Datenblatt der Anlage: Bei der CQ-C9610 sind das 10–16 Liter VE-Wasser pro Minute und ein VE-Wasser-Zufluss von 1,0 m³/h. Konzentrationen und Frachten kommen aus der Analyse des Teilstroms und nicht aus dem Datenblatt.

Über die Autorin

Anne ist Anwendungstechnikerin bei CHUANGQI. Sie betreut EMS- und OEM-Fertiger bei Reinigungsfragen: Analyse von Flussmittel- und Rückstandsbefunden, Auslegung der passenden Anlagenkonfiguration (Inline oder Kammer, Schablone, Düse oder Trockeneis) sowie Begleitung von Ferninbetriebnahme, Abnahmeprüfung und Prozessdokumentation.

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