Das Kundenaudit nimmt eine gereinigte Baugruppe ab und verlangt einen Sauberkeitsnachweis — und im RFQ-Gespräch fallen dann zwei Methodennamen: ROSE-Test und Ionenchromatographie. Beide Verfahren prüfen ionische Kontamination, beide liefern Messwerte, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen. Die Entscheidung fällt nach Fragestellung: Der ROSE-Test überwacht die Fertigung, die Ionenchromatographie erklärt Befunde.
Wer diese Trennung im RFQ nicht vornimmt, bestellt das falsche Verfahren und verliert später Zeit im Streit um Akzeptanzkriterien.

Das ist keine theoretische Spitzfindigkeit. Wir haben die 22 Produktdatenblätter von CHUANGQI geprüft (Stand 27. Oktober 2026; erfasst wurden die Datenblätter aller PCBA-, Schablonen-, Rakel- und Trockeneisreiniger samt Zubehör). Das Ergebnis: Kein einziges Blatt nennt ROSE-Test oder Ionenchromatographie, und nur eines von 22 führt ionische Sauberkeit überhaupt als Ergebnismerkmal (Quelle: CHUANGQI Dokumentenprüfung, 2026-10). Das ist üblich für Herstellerdokumentation — sie beschreibt Reinigungsleistung, nicht Ihre Nachweispflicht. Die Festlegung der Kriterien liegt beim Käufer; auch IPC J-STD-001 setzt heute auf produktspezifische Wege statt auf eine pauschale Zahl (dazu im Abschnitt „Warum beide Verfahren heute Prozesswerkzeuge sind“).
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der ROSE-Test liefert je Messung einen Summenwert für die laufende Schicht — aber ohne Ionenspezies.
- Die Ionenchromatographie identifiziert Chlorid, Bromid und organische Säuren einzeln — Werkzeug der Ursachensuche.
- Seit 2018 (Rev G, Amendment 1) legt IPC J-STD-001 keine pauschale Grenzwertzahl mehr fest; die Revision H nennt drei Wege.
- Nur 1 von 22 CHUANGQI-Datenblättern nennt ionische Sauberkeit — die Nachweispflicht gehört ins RFQ.
- Beide Verfahren dienen der Überwachung und der Diagnose; das Akzeptanzkriterium legt Ihr Kunde produktspezifisch fest.
Was der ROSE-Test misst — und was er nicht misst
Messprinzip: Die Baugruppe wird in einem geschlossenen Ablauf mit warmer Testlösung gespült; die gelösten Ionen verändern deren Leitfähigkeit, und das Gerät rechnet das Ergebnis in einen Summenwert um, angegeben als NaCl-Äquivalent (also umgerechnet auf die Leitwirkung von Kochsalz). Ergebnisform: ein einziger Gesamtwert. Er sagt, wie viel ionisches Material insgesamt gelöst wurde — nicht, aus welchen Stoffen es besteht.
Die Stärke dieses Verfahrens liegt im Serieneinsatz: kurze Messzeit, wiederholbarer Ablauf, direkter Einsatz an der Linie für Chargenüberwachung. Genau deshalb taucht der ROSE-Test in Fertigungsaudits so häufig auf — er beantwortet die Frage „Ist die Charge heute im Rahmen?“ je nach Gerätetyp innerhalb weniger Minuten.
Nicht geeignet für: die Frage „Welches Ion sitzt auf meiner Baugruppe?“. Der Summenwert unterscheidet Ionenspezies nicht; Chlorid und eine organische Säure können denselben Gesamtwert erzeugen. Anders gesagt: Der ROSE-Test meldet, dass etwas nicht stimmt — nicht, was nicht stimmt.
Was die Ionenchromatographie leistet
Messprinzip: Die Spüllösung, mit der die Baugruppe abgespült wurde, wird im Labor über eine Trennsäule geführt; die einzelnen Ionen wandern dort unterschiedlich schnell, und der Detektor zeichnet für jede Spezies ein eigenes Signal (Peak) auf. Nachweisbar sind damit unter anderem Chlorid, Bromid, Fluorid, Sulfat, Nitrat, Phosphat, Ammonium, Natrium, Kalium, Magnesium, Amine sowie organische Säuren wie Adipin- und Bernsteinsäure.
Der Wert dieser Auflösung liegt in der Ursachensuche: Organische Säuren stammen typischerweise aus Flussmittelaktivatoren; Chlorid deutet eher auf Umgebungseintrag oder auf Prozesswasser hin. Aus der Speziesverteilung lässt sich also ablesen, ob das Problem aus dem Löten, aus der Reinigung oder aus der Handhabung kommt. Das macht die Ionenchromatographie zum Werkzeug für Fehleranalyse, Beschichtungsvorbereitung und Kundenaudit — dort, wo ein Summenwert die Diskussion nicht beenden würde.
Der Preis dafür ist Tempo: Probenahme, Laborauftrag und Auswertung machen die Ionenchromatographie zum Laboverfahren; ein Befund steht nicht in derselben Schicht bereit, und die Aussage hängt an der Probenahmestelle. Für die laufende Chargenüberwachung ersetzt die Ionenchromatographie den ROSE-Test nicht — sie greift dort, wo ein Befund erklärt werden muss.

Entscheidungsmatrix: Welche Frage stellt Ihr Kunde?
Beide Verfahren sind richtig — nur nicht für dieselbe Frage. Die Matrix ordnet die vier häufigsten Praxisfragen zu, wie sie aus unserer Projektpraxis bei EMS-Herstellern wiederkehren:
| Frage aus der Praxis | Passendes Verfahren | Warum |
|---|---|---|
| Ist die Charge heute sauber genug für den nächsten Schritt? | ROSE-Test | Summenwert je Messung, direkt an der Linie wiederholbar |
| Warum ist die Konformal-Beschichtung abgeblättert? | Ionenchromatographie | Die Ionenspezies zeigt die Ursache, der Summenwert nicht |
| Welcher Prozessschritt hinterlässt welche Ionen? | Ionenchromatographie | Nur die Trennung der Spezies erlaubt den Rückschluss je Stufe |
| Braucht die Linie ein Dauersignal über alle Schichten? | ROSE-Test | Serienmessung mit kurzer Messzeit, ohne Laborauftrag |
Warum beide Verfahren heute Prozesswerkzeuge sind
Der früher weit verbreitete pauschale Richtwert für ionische Kontamination wurde 2018 aus IPC J-STD-001 entfernt (Revision G, Amendment 1). Die aktuelle Revision H (2026 Q1) bündelt die Rückstands- und Reinigungsanforderungen in Kapitel 8 (Cleaning and Residue Requirements) und nennt drei Wege, produktspezifische Annahmekriterien zu begründen: die SIR-Prüfung (Oberflächenisolationswiderstand — misst, ob eine Oberfläche unter Spannung elektrisch isoliert bleibt), historische Felddaten ohne residuenbedingte Ausfälle und den THB-Test (beschleunigter Alterungstest mit Temperatur, Feuchte und Bias) (Quelle: IPC, ipc.org Blog, 2026).
ROSE-Test und Ionenchromatographie behalten in diesem Rahmen ihren Platz: Sie liefern Monitoring und Diagnose, während das Kriterium selbst aus Produktklasse, Kundenanforderung und einem der drei Wege folgt. Anders gesagt: Die Norm sagt Ihnen heute nicht mehr, welche Zahl gilt; sie verlangt, dass Sie begründen können, warum Ihre Zahl gilt. Beide Verfahren liefern dafür die Messdaten.
Was das für Anlagenwahl und RFQ bedeutet
Vorbedingung für jeden Nachweis ist eine Anlage, die reproduzierbar niedrige Rückstände hinterlässt. Wässrige CHUANGQI-Linien sind darauf ausgelegt, ionische Rückstände von Charge zu Charge niedrig zu halten — welches Kriterium dabei gilt, bleibt Teil Ihrer Kriterienklärung, nicht des Datenblatts.
| Vorteile wässriger Reinigungslinien | Nachteile — was wir offen dazu sagen |
|---|---|
| Reproduzierbare Spülbedingungen statt manuell schwankender Ergebnisse; Probereinigung mit eigenen Platinen vor der Bestellung möglich | Unsere Datenblätter benennen kein Prüfverfahren und keine Nachweisroute — diese Festlegung müssen Sie mit Ihrem Kunden treffen |
| Geschlossene Kreisläufe mit gefiltertem Medium halten die Spülqualität über den Betrieb hinweg | Die laufende Chargenmessung führt nicht der Anlagenhersteller durch; ROSE-Gerät und IC-Labor kommen dazu |
Vier Fragen, die die Auslegung Ihres Nachweises im RFQ entscheiden — stellen Sie sie sich, bevor Sie das Angebot anfordern:
- Welche Produktklasse und welche Annahmeroute hat Ihr Kunde vereinbart — SIR, Felddaten oder THB-Test?
- Wer führt den ROSE-Test durch, und an welcher Messstelle wird entnommen?
- Für welche Befunde ist ein Auftrag an ein IC-Labor vorgesehen — Fehlerrückverfolgung, Beschichtungsvorbereitung, Audit?
- Wie erhalten Sie Testplatinen für die Abstimmung — über eine Probereinigung bei CHUANGQI oder über Ihre eigene Vorreinigung?
Zur Vertiefung: Welche Rückstände überhaupt entstehen und wie sie aus dem Löten kommen, behandelt der Beitrag Flussmittelrückstände entfernen. Wie sich die Spülqualität an der Anlage selbst überwachen lässt, beschreibt der Beitrag Leitfähigkeit im Spülwasser lesen. Einen Überblick über alle Baugruppenreiniger finden Sie auf der Produktseite PCBA-Reinigung.
Nicht geeignet für: die Auskunft über Ihr Akzeptanzkriterium — diese Festlegung kommt von Ihrem Kunden, nicht von einem Datenblatt. Wenn Sie Klärung brauchen, welche Nachweisroute zu Ihrer Produktklasse passt, beschreiben Sie uns Ihre Baugruppe und die Kundenanforderung über das Kontaktformular — CHUANGQI antwortet innerhalb von 24 Stunden; auf Wunsch schließt sich eine Probereinigung mit Ihren eigenen Platinen an.
Häufige Fragen
Kann der ROSE-Test die Ionenchromatographie ersetzen?
Nein. Der ROSE-Test liefert einen Summenwert und eignet sich für die Chargenüberwachung an der Linie; die Ionenchromatographie trennt die Ionenspezies und beantwortet Ursachenfragen. Für ein Audit mit Ursachendarstellung genügt der Summenwert nicht.
Wie oft sollte ein ROSE-Test laufen?
Das hängt ab von Chargenvolumen, Produktklasse, Prozessstabilität und der Vereinbarung mit Ihrem Kunden. Eine allgemeingültige Frequenz lässt sich nicht aus einer Norm ableiten; Verbreitet ist in der Praxis eine festgelegte Stichprobe je Charge oder je Produktwechsel. Entscheidend ist, dass Frequenz und Messstelle schriftlich fixiert sind.
Brauche ich beide Verfahren?
In vielen Betrieben ergibt die Kombination Sinn: der ROSE-Test als laufendes Liniensignal, die Ionenchromatographie als gezieltes Werkzeug bei Befunden, Beschichtungsvorbereitung oder Kundenaudits. Kleinserien mit stabilem Prozess und keiner Nachweispflicht kommen auch mit einem der beiden aus.
Was verlangt IPC J-STD-001 heute?
Keine pauschale Grenzwertzahl mehr. Der frühere Richtwert wurde 2018 entfernt (Revision G, Amendment 1); die aktuelle Revision H nennt drei Wege zu produktspezifischen Annahmekriterien — SIR-Prüfung, historische Felddaten oder THB-Test. ROSE-Test und Ionenchromatographie setzen diese Kriterien in Messdaten um.