Auf der Unterseite einer wellengelöteten Baugruppe bleiben Flussmittelrückstände sitzen, während die Oberseite trocken bleiben soll. Ob eine Bürstenreinigung das leistet, entscheiden drei Werte aus dem Datenblatt: Vorschub, Spindeldrehzahl und Durchmesser der Bürstenwalze. Aus ihnen lässt sich die Eingriffsdichte berechnen, bevor eine Maschine bestellt wird.

Für die Bürstenreinigungsanlage CQ-C760 von CHUANGQI nennt das Datenblatt alle drei Werte: Bürstenwalze 360 mm, Spindeldrehzahl 0 bis 500 U/min, Vorschub 0,05 bis 1,8 m pro Minute. Zwischen dem dichtesten und dem lockersten Eingriff liegt bei gleicher Drehzahl der Faktor 36. Die Rechnung steht unten, die Grenzen des Verfahrens ebenfalls.

Automatisierte Reinigungslinie in der Elektronikfertigung mit Transportband
Eine Bürstenlinie arbeitet mit einem Arbeitsgang je Baugruppe – was sie abnimmt, hängt vom Vorschub und von der Drehzahl ab.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Drei Datenblattwerte entscheiden, wie oft die Bürste greift

Die Eingriffsdichte (Zahl der Bürstenumdrehungen, die auf einen Millimeter Vorschub fallen) lässt sich nicht direkt einstellen. Sie entsteht aus dem Verhältnis von Drehzahl zu Vorschub. Der Walzendurchmesser legt fest, wie schnell die Borsten über die Oberfläche laufen, und damit, wie viel Zeit für den Abtrag bleibt.

Vorschub: 0,05 bis 1,8 m pro Minute, stufenlos. Bei 1800 mm pro Minute legt die Baugruppe in einer Sekunde 30 mm zurück (reine Umrechnung des Vorschubs), bei 50 mm pro Minute sind es 0,83 mm je Sekunde. Am unteren Ende wirkt die Bürste wie ein Schleifkörper an einer Stelle, am oberen wie eine Abstreifkante, die einmal über die Fläche zieht.

Spindeldrehzahl: 0 bis 500 U/min. Bei 500 U/min und 1,8 m/min Vorschub rückt die Baugruppe 3,6 mm je Umdrehung weiter (Bezug: Spindeldrehzahl 500 U/min, Vorschub 1,8 m/min), bei 0,05 m/min nur 0,1 mm. Je kleiner der Vorschub bei gleicher Drehzahl, desto häufiger treffen die Borsten dieselbe Stelle.

Walzendurchmesser: 360 mm, Umfang 1,131 m (π × 0,36 m). Bei 500 U/min läuft die Borstenoberfläche mit rund 565 m pro Minute über die Baugruppe. Dieser Wert hängt ab von Spindeldrehzahl, Walzendurchmesser, Borstenlänge im jeweiligen Verschleißzustand und davon, wie tief die Walze in die Baugruppe eintaucht. Der Anpressdruck steht nicht im Datenblatt; er bleibt in der Rechnung offen.

Vier Kombinationen, Spanne vom Faktor 36

Die Tabelle stellt die beiden Enden des Vorschubs zwei Drehzahlen gegenüber. Alle vier Zellen sind aus zwei Datenblattwerten gerechnet, nicht gemessen.

Vorschub250 U/min500 U/min
0,05 m/min5 Umdrehungen je mm (0,2 mm je Umdrehung)10 Umdrehungen je mm (0,1 mm je Umdrehung)
1,8 m/min0,139 Umdrehungen je mm (7,2 mm je Umdrehung)0,278 Umdrehungen je mm (3,6 mm je Umdrehung)

Rechenweg: Spindeldrehzahl geteilt durch Vorschub in mm/min. Beispiel 500 ÷ 1800 = 0,278. Quelle: Spezifikationstabelle CQ-C760, chuangqitech.com, Stand: 6. November 2026; Rechenwerte, keine Messwerte.

Ein Faktor 36 ist kein Feinjustagebereich, sondern ein weiter Arbeitsbereich. Am unteren Ende trägt die Bürste mehr ab und nimmt auch Lötstopplack mit; am oberen Ende bleibt ein Film stehen, weil der gelöste Rückstand nur verschoben wird. Wie viel Abtrag eine Baugruppe braucht, hängt ab von Flussmittelklasse, Bestückungshöhe, Alter des Rückstands und der Menge an Medium, die die Walze mitführt. Wer die Eingriffsdichte als feste Zahl behandelt, stellt die Linie einmal ein und bekommt nach zwei Wochen Schlieren.

Was die Bürstenlinie leistet und wo sie endet

Die CQ-C760 arbeitet mit einem Greifer, der die Baugruppe von links nach rechts durch die Walzenzone führt. Die Oberseite wird dabei nicht benetzt, ein Trocknungsschritt entfällt. Das ist der Grund, warum diese Bauform überhaupt in eine bestehende Linie passt: 0,9 kW Anschlussleistung (Nennwert laut Datenblatt), 2300 × 900 mm Stellfläche, Einlegehöhe 800 ± 2 mm, Ausgabehöhe 920 ± 2 mm.

MerkmalWas es bringtWo es endet
Ein ArbeitsgangBaugruppe einlegen, danach direkt weiterkeine Spülstufe: gelöster Rückstand bleibt als Film
0,9 kWAnschluss an 220 V, laut Datenblatt kein Wasseranschluss erforderlichalkoholbasiertes Medium muss am Arbeitsplatz bevorratet und nach den betrieblichen Vorgaben gehandhabt werden
Nur UnterseiteOberseite bleibt trocken, keine Feuchte in BauteilenRückstand auf der Bestückungsseite wird nicht erreicht
Format bis 300 × 300 mmdeckt Nutzen kleiner und mittlerer Baugruppen abgrößere Träger und Rahmen brauchen eine andere Bauform

Nicht geeignet für: Baugruppen mit Bauteilen, die in die Walzenzone ragen – Durchsteckmontage, Elektrolytkondensatoren, Steckverbinder mit hohem Kragen – ferner Schirmbleche und Bauteile, unter denen die Borsten keinen Kontakt herstellen. Ebenso wenig für Flächen mit ionischen Rückständen: Salze benötigen ein flüssiges Medium, das sie aufnimmt und abführt. Bei Bestückungen mit BGA, QFN, Dickkupfer oder Aluminiumträgern entscheidet die Zugänglichkeit, nicht die Drehzahl.

Bestückte Leiterplatte in der SMT-Fertigung, Nahaufnahme
Was die Bürste erreicht, hängt von der Bestückungshöhe ab: unter hohen Bauteilen bleibt ein Schatten.

Fünf Fragen, die vor der Bestellung zu klären sind

Diese fünf Punkte entscheiden, ob eine Bürstenlinie die Aufgabe löst oder eine Nassanlage nötig bleibt:

Für die Auslegung genügen fünf Angaben: Baugruppengröße, höchstes Bauteil auf der Unterseite, Flussmittelklasse, geforderte Reinheitsnachweise und die Taktzeit, die die Linie hergibt. Mit diesen Werten lässt sich prüfen, ob eine Bürstenreinigungsanlage passt oder ob die Aufgabe eine Anlage mit Spülstufe verlangt. Der direkte Weg zur Bürstenlinie: Bürstenreinigung anfragen; das Angebot kommt innerhalb von 24 Stunden. Einen Überblick über alle Bauformen gibt die Seite Produkte.

Grüne Leiterplatte mit Lötstopplack vor der Reinigung
Lötstopplack trägt bei zu hoher Eingriffsdichte ab – am unteren Vorschubende ist das die erste sichtbare Folge.

Häufige Fragen

Reicht Bürstenreinigung für No-clean-Flussmittel?
Nur bei dünnen, gut löslichen Filmen an zugänglichen Flächen. No-clean-Rückstände sitzen zäher als wasserlösliche und brauchen mehr Eingriffe oder ein Medium, das sie anlöst. Ob das im Einzelfall reicht, zeigt ein Test an der eigenen Baugruppe, nicht eine Faustregel.
Warum bleibt die Oberseite trocken?
Die Walze greift von unten an die Baugruppe; laut Produktbeschreibung entfernen die Bürsten den Rückstand, ohne die Oberseite zu benetzen. Damit entfällt ein Trocknungsschritt, und es kommt keine Feuchte in die Bauteile. Der Preis dafür ist der fehlende Abtransport: Was die Walze löst, bleibt auf der Fläche liegen.
Wie oft muss die Bürstenwalze gewechselt werden?
Das Datenblatt der CQ-C760 nennt kein Wechselintervall, und wir nennen hier keine Zahl, die wir nicht belegen können. Praktisch entscheidet der Abtrag: Schlieren im Lötstopplack, stehenbleibende Ränder oder ein Vorschub, der nachgestellt werden muss, sind die Signale. Der Wechsel selbst ist ein Verschleißteilwechsel, keine Einstellarbeit.
Passt die CQ-C760 in eine bestehende SMT-Linie?
Bei Einzelaufstellung: ja. 2300 × 900 mm Stellfläche, 0,9 kW Anschlussleistung, laut Datenblatt kein Wasseranschluss erforderlich. Einlegehöhe 800 ± 2 mm und Ausgabehöhe 920 ± 2 mm müssen zur Höhe der Nachbaranlagen passen; ob verkettet wird oder die Übergabe per Hand läuft, entscheidet der Transportträger.
Was prüft die Abnahme bei einer Bürstenlinie?
Drei Dinge: sichtbare Rückstände auf der Unterseite bei festgelegtem Vorschub und festgelegter Drehzahl, gleichbleibender Abtrag über die Baugruppenbreite und keine Beschädigung an Lötstopplack oder Bauteilen. Die Einstellwerte gehören ins Prüfprotokoll, sonst lässt sich ein Ergebnis später nicht wiederholen. Wer vorher wissen will, welche Stufe fehlt, findet die Einordnung des Verfahrens unter Ultraschall oder Sprühreinigung.

Ein letzter Hinweis zur Auswahl: Bürsten sind der Nassreinigung vorgeschaltet oder ersetzen die Handarbeit an der Unterseite. Wer berührungsfrei arbeiten will, greift zur Entstaubung vor der Beschichtung – dort geht es um Partikel, hier um angelösten Rückstand.

Über die Autorin

Anne ist Anwendungstechnikerin bei CHUANGQI. Sie betreut EMS- und OEM-Fertiger bei Reinigungsfragen: Analyse von Flussmittel- und Rückstandsbefunden, Auslegung der passenden Anlagenkonfiguration (Inline oder Kammer, Schablone, Düse oder Trockeneis) sowie Begleitung von Ferninbetriebnahme, Abnahmeprüfung und Prozessdokumentation.

Sie haben einen Reinigungsfall? Senden Sie uns Platine, Flussmittel und Stückzahlen →

Reinigungsaufgabe besprechen →